Vergleich Peak Design Everyday Sing 10 vs Peak Design Everyday Messenger 13

Vor kurzem chattete ich mal wieder mit meinem nordischen Freund Andreas über unseren Taschenfetisch und wir sprachen dabei über die beiden Peak Design Taschen, die Peak Design Everyday Sling 10″ und die Peak Design Everyday Messenger 13″. Da er beide hat, hat er mir dazu ein paar Bilder und ein paar Zeilen geschickt die ich Euch hier gerne zeigen möchte. Andreas schreibt:

Größe

Beide Taschen sind relativ kompakt, dennoch gibt es einen merklichen Größenunterschied zwischen der Sling- und der Messenger-Variante. Dieser bezieht sich vorwiegend auf die Höhe der Taschen. Die Messenger 13“ ist etwas höher als die Sling 10“, was – wie wir noch sehen werden – einen entscheidenden Unterschied mit sich bringt.

Die Maße, wie sie von Peak Design angegeben sind:

  • Sling 10“: 40cm x 23cm x 14cm (B x H x T), Gewicht 680 g.
  • Messenger 13“: 38cm x 27cm x 12cm (B x H x T), Gewicht 1.100 g.

Erstaunlicherweise ist der Messenger 13“ sogar in der Breite und Tiefe etwas kleiner als die optisch kleiner wirkende Sling 10“ (jew. 2 cm). Dabei muß berücksichtigt werden, dass es sich um ungefähre Maße handelt, da die Taschen flexibel sind. Die Messenger 13“ ist allerdings 4cm höher als die Sling-Variante.

Konzeption

Beide Taschen ähneln sich in der Innenaufteilung mit jeweils 2 flexiblen Innentrennern, die aber von unterschiedlicher Bauart sind. Die Messenger ist mit Features ausgestattet, die sie deutlich flexibler machen als die Sling. So hat die Messenger einen sehr praktischen oberen Reißverschluss-Eingriff, so dass man die Tasche nicht immer am Hauptverschluß mit der Klappe ganz öffnen muss, um schnell Sachen herauszunehmen oder hineinzulegen.

Die Vordertasche der Messenger ist deutlich größer, was im zusammengefalteten Zustand nicht auf den ersten Blick auffällt, aber sie ist flexibel und kann relativ viel Volumen aufnehmen. Das flexible Volumen hat die integrierte Vordertasche der Slang zwar auch, aber nicht ganz in dem Ausmaß.

Beide Taschen haben ein hinteres Fach für kleine Notebooks oder Tablets bis ca. 13“ Größe, aber hier macht die etwas größere Höhe der Messenger den entscheidenden Unterschied in der Praxis (siehe weiter unten).

Tragesystem

Von beiden Taschen hat die Messenger das deutlich flexiblere Tragesystem, was sie vielseitiger macht. Beide Varianten haben das Peak Design typische Schnellverschlußsystem an den Gurten, womit diese wirklich blitzschnell und leicht in der Gesamtlänge variierbar sind.

Die Sling ist von der Machart des Gurtes als reine Sling-Variante ausgelegt. Der gepolsterte Teil des Gurtes, der über der Schulter liegt, ist fix am einen Ende des Tragegurtes befestigt und kann nicht verschoben werden. Man kann die Tasche kurzfristig als Umhängetasche verwenden, merkt aber, dass sie dafür eigentlich nicht gemacht wurde. Idealerweise trägt man die Sling auf dem Rücken und fixiert sie dort über die Gurtlänge, wo sie sich aufgrund ihrer Größe perfekt einpasst und beim Tragen kaum auffällt. Auch bei heftigeren Bewegungen (z.B. beim Radfahren) bleibt sie relativ sicher liegen. Sie hat noch zwei schmale versteckte Beckengurte, mit der man sie ggfs. fester am Rücken fixieren kann. Braucht man aber nicht oft.

Die Messenger hat ein anderes Gurtsystem. Zwar ist auch dort die Schulterpolsterung nicht verschiebbar, aber das Gurtdesign und die Art der Verstellmöglichkeit auf beiden Seiten erlaubt es, die Messenger sowohl im Sling-Style, wie auch als normale Schultertasche (entweder quer über der Brust oder über einer Schulter hängend) zu tragen. Auch sie verfügt über einen versteckten Beckengurt, den man teilweise (als Quergurt unter der Achsel zur weiteren Stabilisierung der Trageposition) oder ganz (als traditionellen Hüftgurt) verwenden kann.

Bei größeren Menschenansammlungen verwende ich persönlich lieber die Trageart als normale Schulter- oder Umhängetasche, da sie dann im Gedränge gegen unerlaubten Zugriff durch meinen darüber liegenden Arm besser geschützt ist, also wenn sie nur frei auf dem Rücken liegt. Zwar bieten beide Peak Design Taschen eine Art rudimentäre Sicherung der Reißverschlüsse gegen das schnelle Aufziehen von Unbefugten an, aber ich habe so einfach ein sichereres Gefühl.

Die Messenger 13“ ist also quasi normale Umhängetasche und Sling in einem und kann je nach Situation angepasst werden, das bietet die Sling in dem Ausmaß nicht.

Zwei Nachteile beider Taschen in meinen Augen:

  1. Beide Schulterpolster sind zwar auf einer Seite mit einer rutschhemmenden Beschichtung versehen, jedoch ist als Standardauflage systembedingt die glatte Seite vorgesehen. Will man das Schulterpolster rutschhemmend haben, muss der Gurt dazu immer in sich verdreht werden. Da die Schulterpolster fest vernäht sind, gibt es keine Möglichkeit, das Polster selbst einfach umzudrehen. Nicht sehr elegant und geht für kürzere Zeit, aber Peak Design hat sich aus anderen Gründen für die Version mit glattem Untergrund entschieden, damit man die Taschen jeweils schnell nach vorne ziehen oder nach hinten schieben kann.
  2. Die Schulterpolster selbst sind – verglichen mit den hervorragenden Schulterpolstern der Thinktank-Taschen – etwas dünn. Sieht stylischer aus und erfüllt auch seinen Zweck, aber wenn die Taschen wirklich vollgepackt sind und man längere Zeit damit unterwegs ist, merkt man die Belastung auf der Schulter dann schon. Für den Preis wäre da meiner Ansicht nach noch deutlich Luft nach oben bei Peak Design. Das betrifft im übrigen auch die Backpacks: beim 20er geht es noch, aber beim 30er sind in Foren vermehrt Klagen zu hören, dass bei voller Beladung die Schulterpolsterung nicht mehr ganz ausreicht, da sie anscheinend 1:1 vom kleineren 20er Modell übernommen wurde. Aber das nur am Rande. Wenn man Thinktank-Taschen mit ihrer wirklich sehr angenehmen Schulterpolsterung kennt, muß man bei Peak Design da etwas Abstriche hinnehmen.

Innenaufteilung und flexible Trenner

Jetzt kommen wir zum eigentlichen Highlight der Peak Design Produkte: Innenaufteilung und die besonderen Trenner. In meinen Augen derzeit der einzige Hersteller mit diesem genialen System. Das System der flexiblen Innentrenner ist derzeit wirklich einzigartig und wird so nur von Peak Design umgesetzt.

Die Sling 10“ wird u.a. damit beworben, dass sie ein 13“ Notebook in einem gesonderten Fach aufnehmen kann. Ja, stimmt, hängt aber vom Notebook ab! Es ist schon wirklich sehr knapp: ein nun wirklich sehr kleines und zierliches aktuelles MBP 13“ der Baujahre 2016/2017 passt gerade so hinein. Ein MBP 13“ der Vorjahre wird schon schwieriger. Paradoxerweise passt selbst ein 12.9 iPad Pro nur noch mit etwas Gezerre am  Reißverschluss hinein, da das MBP 13“ um ca. 6mm in der Höhe geringer ist, was wirklich genau die entscheidende Differenz ausmacht. Mit einer (auch nur schmalen) Schutzhülle um das iPad Pro wird es noch schwieriger. Man bekommt die Tasche noch zu, irgendwie … aber die Reißverschlüsse sind dann enorm unter Druck. Da hätte ich persönlich langfristig kein Vertrauen durch die starke Belastung des Materials. In meinen Augen hätte Peak Design wirklich noch 10mm mehr Höhe spendieren können, das ist einfach nicht richtig überlegt und meiner Meinung nach ein Designfehler. Ein kleineres 9.7/10.5“ iPad Pro ist natürlich kein Problem.

Hier zeigt sich der große Vorteil der Messenger 13“: durch die 4cm mehr Höhe gibt es hier keinerlei Probleme, ein größeres MBP 13“ egal welchen Baujahrs oder ein iPad Pro 12.9“ samt Cover unterzubringen:

Beide Taschen haben zwei Innenteiler und bilden damit standardmäßig drei getrennte Innenabteile.

Die Inneneinteiler der beiden Taschen unterscheiden sich voneinander in Größe und Machart. Die Trenner der Messenger sind höher und decken, voll aufgerichtet, fast die gesamte Innenhöhe der Tasche ab, so dass nicht von einem Fach ins nächste fallen kann, wenn man die Tasche im Sling-Style schräg auf dem Rücken trägt. Gleichzeitig haben sie die Peak Design typischen vorgegebenen Falzungen, so dass man sie auf unterschiedliche Weise falten kann und damit unterschiedliche Inneneinteilungen möglich werden. In den In-depht-Produktvideos auf dem Peak Design Kanal von YouTube wird das in allen Einzelheiten und Variationsmöglichkeiten vorgeführt. Wenn man sich daran gewöhnt hat, kommen einem die traditionellen Trenner von anderen Herstellern ziemlich oldschool vor, und man fragt sich, wieso noch keiner vor Peak Design auf diese geniale und einfache Idee gekommen ist.

Hier die beiden Trenner: links aus der Sling, rechts aus der Messenger

Die Trenner der Sling sind sozusagen „the next Generation“, ich finde sie noch besser als die aus der Messenger. Sie sind oben in sich selbst geteilt und können halb abgekappt werden, wobei ein Teil des Trenners weiter aufrecht stehen bleibt. So kann man auch noch abgeschlossene „Regalböden“ in der Tasche bilden. Das geht bei den älteren Trennern der Messenger so nicht, die kann man entweder ganz abklappen, verliert dann aber auch die Höhenabtrennung zum daneben liegenden Fach.

Ich habe mal einen Trenner der Sling mit in die Messenger gesetzt, da kann man die Unterschiede sehen.

Hier links Trenner der Sling, rechts die mitgelieferten der Messenger. Rechts abgeklappt, links mit dem Trenner Sling einen Regalboden gebildet. Mit dem Trenner der Messenger verliert man dabei an Höhe und oben kann alles durcheinanderfallen.

Klappt man den Trenner der Messenger auf die Hälfte zusammen, bildet sich rechts zwar ein eigenes Fach oder man hat eine Ablage für den Kameragriff, aber keine zusätzliche Ebene mehr, die noch nutzbar wäre.

Hier der Unterschied in der Höhe der beiden Trenner eingebaut: links Trenner der Sling, rechts der mitgelieferte der Messenger:

Peak Design bietet die Trenner seiner einzelnen Produktserien einzeln zum Nachkauf an, was lobenswert ist, weil man so noch ganz andere Arten der Unterteilung basteln kann.

Wenn ich einen Wunsch hätte, dann dass die Messenger-Taschen mit den Trennern der Sling ausgerüstet werden. Man kann zwar die Trenner der Sling in die Messenger einsetzen, aber es fehlt dann eben doch einfach an Höhe, da die Messenger innen ganz anders geschnitten ist. Aber die Möglichkeit, mit den Trennern a la Sling noch diese „Regalböden“ bauen zu können, wäre schon klasse.

NACHTRAG

Die Trenner des Everyday Backpack 20L sind ähnlich aufgebaut wie die der Sling und bieten auch die Möglichkeit des teilweise Abklappens (sogar auf beiden Seiten). Ich habe diese testweise in die Messenger eingesetzt, und – Vorteil – sie haben die notwendige Höhe!

Nachteil: sie sind etwas breiter und steifer als die mitgelieferten Trenner der Messenger. Das hat zur Folge, dass sie zwar prima reinpassen, man aber die Messenger nicht mehr so problemlos auf die kleinste mögliche Größe bringen kann. Die Tasche auf dem untersten Bügel zu schließen, ist nur noch mit Druck möglich, weil sich die Trenner innen durch ihre Steifheit widersetzen. Die Standardschließung der Messenger (unterster Metallbügel der Schließung offen) ist aber kein Problem.

Der Nachkauf zweiter Trenner aus dem Everyday Backpack 20L und deren Einsatz in der Messenger 13“ wäre also noch eine Möglichkeit, diese hervorragende Tasche weiter
„feinzutunen“.

Ein grandioser Bericht lieber Andreas – danke Dir!

Schöne Grüße – Euer Taschenfreak – Jörg Langer

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